Blasenschwäche
Moderne Therapien helfen
Je früher eine Blasenschwäche
erkannt und
behandelt wird,
desto
höher sind die Erfolgsaussichten.
Ihr Apotheker
Michael Resch
Blasenschwäche – viele leiden darunter,
wenige sprechen darüber. Dabei ist
dieses Gesundheitsproblem weit verbreitet.
Immerhin eine von sieben Frauen
leidet weltweit unter den Symptomen
einer Belastungsinkontinenz, dem
willkürlichen Harnverlust beim Husten,
Niesen, Lachen oder bei körperlicher
Anstrengung. Noch mehr Menschen
haben eine überaktive Blase. Sie müssen
sehr oft zum Wasserlassen und schaffen
es nicht rechtzeitig bis zur Toilette, wenn
der Harndrang plötzlich auftritt.
Das Unvermögen, die Blase vollständig
zu kontrollieren, beeinträchtigt das
tägliche Leben der Betroffenen (überwiegend
sind es Frauen) erheblich und
belastet sie auch psychisch sehr stark.
Die Angst vor einem „Malheur“ führt
oft dazu, dass sie kaum noch aus dem Haus gehen, Beziehungen abbrechen
und sich isolieren.
Doch Blasenschwäche ist kein unabwendbares
Schicksal, sondern kann
heute oft wirkungsvoll behandelt werden.
Voraussetzung ist, dass sich der Betroffene
einem Arzt anvertraut. Nur er kann
mit Hilfe einer gründlichen Untersuchung
Art und Ursache der Harninkontinenz
abklären und eine individuell darauf abgestimmte Therapie vorschlagen.
Die Behandlungsmöglichkeiten sind
vielfältig und reichen von Verhaltensund
therapeutischen Maßnahmen wie
Toiletten- und Beckenbodentraining über
medikamentöse Therapie bis hin zur
Operation. Dabei werden die verschiedenen
Heilungsansätze oft kombiniert.
Beckenbodentraining
Gezieltes und regelmäßiges Beckenbodentraining
ist nicht nur eine gute
vorbeugende Maßnahme, sondern gilt
auch als wirksames Mittel für alle Frauen
und Männer mit bereits vorhandener
Belastungsinkontinenz
oder bei einer überaktiven Blase. Erlernt werden sollten
die Übungen unter professioneller Anleitung
und dann später auch zu Hause
konsequent durchgeführt werden.
Medikamente
Bei den Medikamenten werden in erster
Linie so genannte Anticholinergika
eingesetzt, die die überaktive Blasenwandmuskulatur
erschlaffen lassen. Die eingesetzten Medikamente enthalten
meist Wirkstoffe wie Propiverin, Tolterodin,
Trospiumchlorid, Oxybutynin oder
Duloxetin.
Propiverin ist als einziger
Wirkstoff auch für die Behandlung von
Kindern zugelassen. Er wirkt zudem
zweifach: Er lässt die glatte Muskulatur in
der Harnblase erschlaffen und macht sie weniger ansprechbar für jene Nervenimpulse,
die die Entleerung der Harnblase
vorbereiten. Propiverin hemmt den Parasympathikus,
also den Teil des vegetativen
Nervensystems, der viele innere
Prozesse steuert, die wir nicht bewusst
wahrnehmen – etwa die Verdauung oder
die Entleerung der Harnblase.
Als vielversprechend hat sich auch die
Elektrostimulation bei gleichzeitiger
Arzneigabe erwiesen. Dabei wird die
Wirkung der Medikamente durch eine leichte elektrische Stimulation der Blasenmuskeln
ergänzt.
Operationen
Wenn diese Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg bringen, kann eine Operation sinnvoll sein. Auch hier gibt es verschiedene Ansatzpunkte. Bei Belastungsinkontinenz steht heute z.B. eine minimal-invasive schonende Methode zur Verfügung, bei der unter die Harnröhre spannungsfrei eine Schlinge gelegt wird.
- Finden Sie sich nicht mit einer Blasenschwäche ab. Gehen Sie zum Arzt. In jedem Alter und für jede Ausprägung gibt es eine Therapiemöglichkeit.
- Trainieren Sie Ihre Beckenbodenmuskulatur regelmäßig.
- Starkes Übergewicht begünstigt Blasenschwäche. Vermindern Sie gegebenenfalls Ihr Gewicht.
- Bleiben Sie körperlich aktiv. Körperliche Bewegung kräftigt die Beckenbodenmuskulatur.
- Auch aufs Atmen kommt´s an:
Bauchatmung ist besser als Brustatmung. - Heben Sie schwere Gegenstände
nur aus der Hocke hoch.
