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Doping


Tolle Leistung – sauber!...

In Australien gab es schon einmal Olympische Spiele. Es war 1956 in Melbourne, als offenbar noch alles sauber zuging und „Doping“ ein Fremdwort war. Dann begann das grenzenlose Wettrüsten zu Gold, vor allem in der DDR und den anderen Ostblockstaaten, wo vornehmlich junge Sportlerinnen zu Spitzenleistungen geradezu gezüchtet wurden. Und nun Sydney? Dürfen wir uns auf die Olympischen „Spiele“ echt freuen, wenn es heißt, jedes Doping sei nun unter Kontrolle?

Vergleichsweise harmlos war damals der Versuch, schneller zu schwimmen, wenn der Darm mit Luft aufgepustet wurde und so der Auftrieb im Wasser günstiger wurde, oder die Rennrodler erschwindelten sich den Sieg, weil sie die Kufen der Schlitten vorheizten. Problematisch wurde es erst, als gezielt aus dem medizinischen Wissen geschöpft und mit Hilfe moderner Arzneisubstanzen menschliche Körper manipuliert wurden. Die Leistungserfolge stellten sich wunschgemäß ein, jedoch zum Preis teilweise dauerhafter Gesundheitsschäden. Dennoch: Die Methoden wurden immer raffinierter, kaum eine Methode oder Substanz blieb unversucht, auch heute noch wird experimentiert: Anabolika, Epo, Wachstumshormone, Nitroglycerinpräparate und andere Arzneimittel, neuerdings sogar Genmanipulationen und gezielter Einsatz von Viren – dies soll übrigens nicht nachweisbar sein, ein ganz wichtiger Gesichtspunkt beim Dopingbetrug. Manchmal bekennen sich Sportler offen zur Einnahme: So sollen knapp die Hälfte der Tour-de-France Fahrer ein ärztliches Attest vorgelegt haben für Asthma, um legal Cortisonpräparate einnehmen zu können.

Doping ist international verboten. Es gibt klare Richtlinien für verbotene Wirkstoffgruppen, verbotene Methoden und teilweise Einschränkungen. Sie können sich die Liste gerne einmal bei uns in der Apotheke ansehen, sie ist Gesetz. Nur werden Gesetze leider immer wieder trickreich umgangen oder kriminell gebrochen. Woran sollen wir uns halten? Sollen wir Sidney boykottieren, den Fernseher abschalten?

Ich freue mich auf die Übertragungen, ich werde bestimmt häufig mitfiebern, auch die Daumen drücken. Olympia bleibt ein spannender, faszinierender Wettkampf, gewiß. Leider werde ich mich aber bemühen müssen, die Frage in mir zu unterdrücken, ob es wirklich ein sportlicher Wettkampf ist, der uns da präsentiert wird: „Sportlich“ schließt automatisch den Gedanken des Fair Play und die Anerkennung der Leistung des Sportkameraden ein. Wenn das fehlt, ist es kein Sport mehr, sondern nur noch muskulärer Wettkampf und kommerzieller Verdrängungswettbewerb. Werde ich das unterscheiden können?

von Dr. Jürgen Wrede