Die Herbstzeitlose
Die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) wächst auf feuchten Wiesen und Weiden Mittel-, West- und Südeuropas. Die meist violetten oder hellrosa gefärbten Blüten ähneln dem Krokus, die Blätter denen der Tulpe. Ihren Namen erhielt sie, da die Blütezeit im Herbst liegt (autumnus = Herbst). Der Gattungsname Colchicum geht auf Colchis, eine Landschaft an der Ostküste des Schwarzen Meeres, zurück, die in der griechischen Mythologie die Heimat der Giftmischerin Medea darstellt.
Die Herbstzeitlose enthält das Gift Colchicin, das ähnlich giftig ist wie Arsen. Tödliche Vergiftungen mit der Pflanze sind nicht selten, da ihre Blätter leicht mit dem in der Küche geschätzten Bärlauch, ihre Knolle schnell mit der Küchenzwiebel, der beblätterte Stängel mit Lauch verwechselt werden kann.
Die tödliche Dosis liegt schon bei 2-5 g der Samen. Das entspricht 10-20 mg Colchicin. Bei einer Vergiftung kommt es nach 2-6 Stunden zu Schluckbeschwerden und zu einem Kratzen und Brennen im Mund- und Rachenbereich. Ferner stellen sich Erbrechen, Krämpfe und z.T. blutige Durchfälle ein. Abfall der Körpertemperatur und des Blutdruckes sind weitere Symptome. Nach 1-2 Tagen tritt dann der Tod durch Atemlähmung ein, wobei der Patient bis zuletzt bei vollem Bewusstsein ist.
Genau dosiert jedoch wird das Alkaloid Colchicin medizinisch bei Gicht angewendet, allerdings nur bei einem schmerzhaften, akuten Gichtanfall.
Gicht ist eine Zivilisationskrankheit oder eine angeborene Stoffwechselstörung, die als Folge eines erhöhten Harnsäurespiegels auftreten kann. 20 % der Männer in den Industriestaaten haben einen erhöhten Harnsäurespiegel. Da Östrogene die Ausscheidung über die Niere unterstützen, tritt Gicht bei Frauen oft erst nach den Wechseljahren auf. Bei gesunden Menschen besteht ein Gleichgewicht zwischen Bildung und Ausscheidung von Harnsäure. Ist dieses Gleichgewicht gestört, kommt es infolge einer erhöhten Harnsäurekonzentration im Blut zu Ablagerungen von Harnsäurekristallen in Gelenken und Geweben, welche zu den schmerzhaften Symptomen der Krankheit führen. Bei einer Konzentration von 7 mg/dl Harnsäure im Blut spricht man von einer sogenannten „Hyperurikämie“.
Gichtanfälle treten völlig überraschend und häufig in den Nachtstunden bevorzugt in den Beinen und Fußgelenken auf, wobei die nadelscharfen Kristalle die bekannte schmerzhafte Entzündung der Gelenke hervorrufen. Diese sind dabei stark gerötet und geschwollen. Anfallsauslösend wirkt häufig eine üppige Mahlzeit und übermäßiger Alkoholgenuss.
Bei einer chronischen Gicht kann es zur dauerhaften Zerstörung der Gelenkknorpel, der Knochen und der Sehnen kommen, was Bewegungseinschränkungen, Verformungen und Gelenkversteifungen zur Folge haben kann. Auskristallisierte Harnsäure in den Nieren führt darüber hinaus zu einer zunehmenden Einschränkung der Nierenfunktion.
Erhöhte Harnsäurewerte können durch eine sogenannte „purinarme“ Ernährung positiv beeinflusst werden:
Purinreiche Lebensmittel, die möglichst zu meiden sind, sind Innereien, Sprotten, Ölsardinen, Sardellen, Fleischbrühe, Hülsenfrüchte, die Haut von Geflügel und Fisch sowie Schweineschwarte. Fleisch, Fisch oder Wurst sowie alkoholische Getränke sollten nur in Maßen konsumiert werden.
Purinarme Lebensmittel sind z. B. Kartoffeln, Reis, Gemüse, Obst, Milchprodukte. Bei den tierischen Eiweißquellen ist fettarmer Milch und fettarmen Milchprodukten gegenüber Fleisch und Wurst der Vorrang zu geben.
Darüber hinaus ist es wichtig, ausreichend zu trinken (pro Tag mind. 2 Liter).
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von Hendrik Müller
