Krankenversicherung
Ayurveda, Qigong, TaiChi, Shiatsu
Was hat das wohl mit Krankenversicherung zu tun? Nun ja, der Jahresbericht des Bundesversicherungsamtes 1995 hat es an die Öffentlichkeit gebracht: In schärfster Form hat die Aufsichtsbehörde das Wettbewerbsgebaren der gesetzlichen Krankenkassen angeprangert und festgestellt, daß "die schlimmsten Befürchtungen" noch "weit übertroffen" wurden. Worum geht es?
Krankenversicherungen als ältester Teil des Systems "Sozialversicherung" bieten Schutz gegen entstehende Kosten: im Krankheitsfall, bei Pflegebedürftigkeit, bei Vorsorge und Früherkennung. Seit neustem soll nach Gesetz auch Gesundheitförderung betrieben werden.
So weit, so gut. Nun kam aber mit dem Gesundheitsstrukturgesetz - von Herrn Seehofer so gewollt - der Wettbewerb der Krankenkassen untereinander hinzu: man muß um seine Mitglieder werben, damit sie nicht zu anderen Kassen abwandern. Und an dieser Stelle hat sich, so ganz nebenbei, ein Angebotsfeld aufgetan, von dem oben die Rede war: Abendteuerliche Lockangebote an Versicherte zur "Förderung ihrer Gesundheit", mit Kursen mit schillernden Namen (s. Überschrift) und fraglichen Inhalten, von Body Shape bis hin zu Pool - Partys. Es gab "Wellness - Wochenenden für Ehepaare", "Pretty-Woman - Fitneß-, Kosmetik- und Ernährungstips für Teens von 13 bis 14 Jahren", ja sogar Gesundheitsreisen ins Ausland. Das Bundesamt hat kritisch hierzu geschrieben, daß Beitragsgeld nicht "mit vollen Händen aus dem Fenster zu werfen" sei, sondern schärfstes Kostenmanagement angesagt ist.
Den "Anbietern im Gesundheitswesen", den Ärzten, Apothekern, Therapeuten ebenso wie den "Verbrauchern", den Versicherten, kann nicht gleichgültig sein, wie die immer knapper werdenden Gelder verwandt werden. Die Krankenversicherung ist eine der wichtigsten Säulen unseres sozialen Gemeinwesens und wir können glücklich sein, in unserem Land das wohl beste Absicherungssystem der Welt zu besitzen. Viel muß getan werden, um es leistungsfähig zu erhalten, und so manche zusätzliche Zahlung oder auch Leistungskürzung ist schmerzlich. Verständnis dafür kann aber nur aufgebracht werden, wenn wir volles Vertrauen in unsere Krankenversicherung setzen können! Zum Glück sind die groben Mißstände wohl weitgehend abgestellt; nun, bitte, ist schärfstes Kalkulieren und kritische Offenheit angesagt - zum Wohl unserer gemeinsamen Sache.
von Dr. Jürgen Wrede
