Ricola
Im Urlaub – Ricola...
Eine herrliche Wanderung durch die herbstlichen Weinberge. Das Laub noch bunt gefärbt, einige wenige Trauben (roter Gammay?) hängen noch am Rebstock, vielleicht übersehen bei der Lese. Wir probieren: Zuckersüß, der Rebensaft – es soll ja auch einen Jahrhundertwein geben, so die Experten, nach diesem Sonnensommer. Die Weinberge im Wallis sind noch dazu mit Beregnungsanlagen ausgestattet, so erklärt sich die Rekordernte: Viel Sonne, viel Wasser, gute Lagen...
Ein Stück weiter am Weg, nach einer Kurve: Plötzlicher Szenenwechsel. Was sind denn das für Gewächsreihen unter den Beregnungsrohren? Verschiedene Stauden, Pflanzenreste, abgeschnitten, geerntet. Schilder weisen es aus: Hier wuchsen Salbei, Minze, Thymian, Kamille, Schafgarbe, Spitzwegerich – lange Anbaureihen ziehen sich den Hang hinauf. Und dann das Schild: „Für Ricola“. Nanu? Keine blühende Almwiese wie in der Fernsehwerbung, sonnenüberflutet, üppig bunt, voller Farben und wogender Gräser?
Sehr bald ist uns wieder bewußt: Eben auch so etwas Selbstverständliches wie „Hustenbonbons“ werden nach festen Rezepturen und exakten Vorschriften hergestellt, da kann man nicht mal so nebenbei eine schöne Bergwiese abmähen und die Aromastoffe aus dem Heu extrahieren, dann vielleicht für die nächste Charge eine zweite Wiese nehmen usw.
Heilkräuteranbau ist ein wichtiger Zulieferzweig für die pharmazeutische Industrie. Hohe Anforderungen werden gestellt, wenn es darum geht, exakt definierte Wirkstoffe den Pflanzen zu entnehmen, schonend und dennoch effektiv. Oft werden die Rohstoffe chemisch weiterentwickelt oder umgewandelt, um noch wirksamer zu werden, aber immer bleibt bestehen: Das beste „Herstellunglabor“ ist immer noch die Natur selbst. Es sind die vielen Heilpflanzen, die – kostenlos – uns die kompliziertesten Synthesen vollbringen. Der Mensch hat gelernt, sich dies zu Nutzen zu machen: Pflanzliche Heilmittel sind hoch im Kurs, begehrt bei steigender Nachfrage. Und deshalb muß es weltweit kontrollierten Pflanzenanbau in Plantagen geben, wie auch für „Ricola“, der Kräutermischung im Bonbon, aus dem Urlaubsland Schweiz...
von Dr. Jürgen Wrede
