Teststreifen auf dem Prüfstand
Berlin - Fast einhundert Diabetiker protestieren vor dem Gebäude des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Sie kämpfen dafür, dass die Krankenkassen auch künftig die Teststreifen für nicht-insulinpflichtige Typ-II-Diabetiker bezahlen. Der G-BA plant, diese Leistung auszuschließen. Bereits seit einem Jahr berät hierzu der Unterausschuss Arzneimittel. Gestern stand das Thema erneut auf der Tagesordnung. Deshalb hatten der Deutsche Diabetiker Bund (DDB) und die Organisation DiabetesDE zu der Demo aufgerufen.
Manfred Flore, Geschäftsführer des Deutschen
Diabetiker Bundes, erachtet die Teststreifen als
notwendigen Therapiebestandteil: „Auch nichtinsulinpflichtige
Diabetiker müssen schauen,
dass sie ihre Stoffwechsellage im Griff behalten.
Dazu ist es notwendig, dass sie im Rahmen
ihres Selbstmanagements, was die Krankheit
betrifft, auch Selbstmessungen durchführen.“
Der Arzt müsse im Rahmen der Therapie Blutzuckerteststreifen
verschreiben dürfen, wenn
er es für notwendig erachtet, fordert Flore.
Beim G-BA ist man vom Nutzen der Streifen dagegen nicht überzeugt. Das Gremium hält die Selbstmessungen weder für medizinisch notwendig noch für wirtschaftlich. Dr. Rainer Hess, Vorsitzender des G-BA, nahm das Forderungspapier der Demonstranten entgegen: „Das laufende Verfahren dient nicht dazu, Blutzuckerteststreifen auszuschließen, sondern es dient dazu, sie unter qualitativen Bedingungen auf das Notwendige zu begrenzen.“
Hess erklärte, warum der G-BA Vorbehalte hat: „Wir hatten einen deutlichen Missbrauch in der Verwendung von Blutzuckerteststreifen in der Vergangenheit. Dieser Missbrauch muss beendet werden. Und es geht darum, das Notwendige vom Unwirtschaftlichen abzugrenzen.“
Die Beratung über die Teststreifen dauert beim G-BA an. Eine Entscheidung wird für den März erwartet. Dann wird das Plenum des G-BA über den Erstattungsausschluss beschließen.
