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Wespen


Schwirrende Plagegeister

Ein "Scenario", wie man das heute nennt: Wild schlägt die Mutter um sich, versucht im Restaurant, die um ihren Kopf herumschwirrenden Wespen abzuwehren. Der Junior macht eine hastige Ausweichbewegung, reißt dabei den Nachtischtteller zu Boden: Bruch. Darauf langt der Vater dem Unschuldigen eine "hinter die Ohren", Gebrüll, betretener Abgang unter aller Gästeaugen. Der Kellner rennt mit der Rechnung hinterher... usw usw. Eigentlich hätte ich Lust, die Geschichte über diese ganze Seite weiterzuerzählen, nur - was können die Wespen dafür?

Für dieses Jahr wurde eine Wespenplage vorausgesagt. Da die Natur schon sehr weit in der Entwicklung ist, haben Wespen nur noch wenig Zeit, sich einen Wintervorrat anzuschaffen. Im Gegensatz zu den Bienen überleben nur die begatteten Königinnen in einem geschützten Versteck die Kälte des Winters. Sie werden dann im Frühjahr ihre Eier ablegen und einen neuen Staat gründen. Wespen ernähren sich im Frühling und während des Sommers vor allem von anderen Insekten. Erst im Spätsommer wechseln sie ihren Speiseplan und knabbern sich an Obst und Süßigkeiten satt. Dann können sie uns gefährlich werden.

Normalerweise bildet sich rund um die Einstichstelle eine juckende und schmerzhafte Schwellung. Nach Stunden oder Tagen ist in der Regel nichts mehr zu spüren, je nach Behandlung mit einem Gel, einem Insektenstift oder auch einer Tablette. Ganz anders die Reaktion bei einem Allergiker. Die Allergie entwickelt sich immer erst nach dem ersten Stich, der nämlich das Immunsystem über die Maßen sensibilisiert. Jeder weitere Stich kann dann lebensbedrohlich werden - das Immunsystem reagiert über und schüttet verschiedene aktive Substanzen aus, die den ganzen Körperhaushalt durcheinanderbringen. Im schlimmsten Fall kann es zu einem sogenannten anaphylaktischen Schock mit rapide abfallendem Blutdruck, Ohnmacht und Kollaps kommen. Ohne medizinische Behandlung tödlich.

Tatsächlich sollen etwa drei Prozent der Bevölkerung Insektengiftallergiker sein. Sie sollten einen Notfallset bei sich führen, der vor allem Adrenalin als Gegenmittel enthält. Was unsere Mutter im Restaurant anbetrifft, denke ich, sollte sie in Zukunft "cool" bleiben und eben auf die Eisbombe als Nachtisch verzichten - nur, wer tut das schon??

von Dr. Jürgen Wrede