Zucker
Zucker – zuckerkrank?
Neulich haben wir die Zuckerfabrik besichtigt. In einer Informationsbroschüre war zu lesen: „Beim Stichwort Diabetes (Zuckerkrankheit) denken viele direkt an Zucker. Kein Wunder, schließlich wird die weltweit verbreitete Stoffwechselstörung im Volksmund auch „Zuckerkrankheit“ genannt. Ein Drittel der Deutschen geht sogar davon aus: Wer gern und oft Süßes isst, wird davon zuckerkrank!“
Zwar gibt es Krankheiten, die wir spontan mit bestimmten Auslösern verbinden, beim Diabetes jedoch ist die erbliche Veranlagung weitgehend entscheidend für die Entwicklung dieser Krankheit. Gefördert wird sie häufig durch ein zu hohes Körpergewicht.
Das Schlüsselwort ist „Insulin“: Dieses Hormon aus der Bauchspeicheldrüse reguliert den Blutzuckerspiegel im Blut, was für die gleichmäßige Aufnahme von Zucker in die Körperzellen erforderlich ist. Vor allem unser Gehirn ist, um normal funktionieren zu können, ganz wesentlich auf eine gleichmäßige Zuckerzufuhr angewiesen. Bei dem Krankheitsbild Diabetes liegt ein Mangel an Insulin vor, weil die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse gestört sind und nur teilweise oder gar nicht mehr funktionieren - der Blutzucker steigt folglich an. Ab der Nierenschwelle von 180 mg/dl wird Blutzucker sogar im Urin ausgeschieden, wobei die Harnmenge ansteigt: Häufiges Wasserlassen mit dem Verlust von Mineralstoffen, verbunden mit ständigem Durstgefühl, sind erste Hinweise auf das Vorliegen einer Zuckerkrankheit.
Die Behandlung kann über vielerlei Wege erfolgen. So kann man z.B. die Ergiebigkeit der Insulinproduktion durch Einnahme von Wirkstoffen steigern (man „quetscht die Zellen aus“), man kann die Zellschranke beeinflussen, damit Zucker leichter in das Zellinnere aufgenommen wird oder man gibt Insulin von außen in den Körper („Insulin spritzen“). Die Krankheit ist heute gut beherrschbar, vor allem, wenn der Patient gut mitarbeitet. Und etwas Süßes darf sich der Diabetiker heutzutage ohne weiteres leisten: Es gibt ja Zuckeraustauschstoffe, die übrigens zum Teil auch aus dem Zucker von der Zuckerfabrik produziert werden!
Die korrekte Bezeichnung der Krankheit lautet übrigens „Diabetes mellitus“, was übersetzt heißt: „Süße Harnflut“. Bei der Untersuchung im Apothekenlabor wurde in früheren Zeiten der Harn als erste Vorprobe wirklich abgeschmeckt! (Und der neue Praktikant wurde vorgeführt, wenn er, wie sein Lehrchef es vormachte, einen ganzen Schluck von der Urinprobe trinken mußte – getürkt, Apfelsaft, versteht sich...).
von Dr. Jürgen Wrede
